KG Spass am Karneval

Damensitzung 2020

Ein Hauch von „Magic Mike“ auf der Damensitzung in Overath

Obwohl sich die Männertanzgruppe „Fauth Gentlemen“ nicht ausgezogen hat, wird sie den jecken Frauen wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Foto: Manfred Höfer

Es ist noch etwas frisch im Foyer der Aula in Cyriax, als die ersten jecken Frauen ihre Eintrittskarten für die Damensitzung der „KG Spass am Karneval“ bei der Einlasskontrolle vorzeigen. Mit ihren ausgefallenen Kostümen bringen sie ein bisschen Farbe in diesen kalten, nebeligen Samstagnachmittag. Und mit jeder Dame, die in den blau-gelb dekorierten Saal einzieht, wird es drinnen auch ein bisschen wärmer.

Über eine Stunde vor Sitzungsbeginn drängen sich auch bereits Prinz Philipp (Haag) und Prinzessin Jasmina (König) durch das Gewusel von bunten Perücken und funkelnden Stoffen. Ihr Ziel: Die Garderobe, an der sich einige freiwillige Helfer der „KG Spass am Karneval“ um die Jacken von 600 Damen kümmern. Sie wollen „Hallo“ sagen und sich bedanken. Sie bleiben einen Moment bei den Ehrenamtlern stehen und beginnen, aus dem Nähkästchen zu plaudern: „Ich werde heute 90 Jahre alte Federn an meiner Kappe tragen, die mir Astrid Vogel vom Overather „Domhotel“ vermacht hat – ihr Großvater trug diese damals schon, als er einmal Prinz war“, berichtet Prinz Philipp ergriffen. Seine eigenen Federn habe er sich beim „Karnevals Kappes“ in Köln gekauft – dass er stattdessen jetzt diese, mit Erinnerungen und Geschichte behafteten Federn tragen darf, erfülle ihn mit Stolz und Ehre – seien seine und Astrids Familie doch schon so lange verbunden.

Um 14:48 Uhr stellt sich das Prinzenpaar dann mit seinem Gefolge hinter dem Tambourcorps auf, um mit ihnen in die Aula einzumarschieren. Das Licht ist gedimmt – aber überall im Publikum leuchten und blinken die Kopfbedeckungen, Röcke und Accessoires der Overather Damen. Lichter ins Kostüm einzubauen, scheint extrem gefragt zu sein!

Die Overather Handball-Damen, die wie jedes Jahr den Hintergrund der Bühne mit ihrer Anwesenheit zieren, verzichten allerdings auf Beleuchtung an ihrem Kostüm – stattdessen setzen sie auf die Zahl 25! Die Sportlerinnen haben sie auf ihre T-Shirts geschrieben, sie sich ins Gesicht gemalt oder tragen sie an einem Haarreif auf ihrem Kopf. So wollen sie Sitzungspräsident Gereon Kohlgrüber ehren, der nach 25 Jahren im Amt dieses Jahr seine letzte Damensitzung moderiert.

Nachdem das Schmölzchen seinen Tanz samt selbstkomponiertem und selbst eingesungenem Song präsentiert durfte, betritt Rednerin Ingrid Kühne die Bühne. Mit Gags auf Kosten ihrer recht fülligen Figur, erntet die Komikerin mit den kurzen, braunen Haaren und einem glitzernden „K“ auf ihrem lila Kittel Standing Ovations.

An Hinsetzen ist nun kein Denken mehr, denn die „Paveier“ betreten die Bühne. Zu Hits wie „Leev Marie“ zeigt besonders „Heroldinchen“ Christel Wendeler vollen Einsatz. Christel bekleidet eigentlich das Amt einer Pagin – doch heute springt sie für den eigentlichen Herold Fabian Löffelsender ein. Um ihrem neuen Job einen Hauch von Glamour zu verleihen, hat Christel ihre Hellebarde mit rosa Geschenkband umwickelt, pinke Strasssteinchen auf die Spitze geklebt und eine Rose darumgebunden. Nun, wo sie ihren Stab zum Tankt von „Leev Marie“ auf den Boden stampft, befindet sich diese aber kurz vor dem Absturz.

Auf solche Details achtet bald aber sowieso niemand mehr.

Denn die strammen Tänzer der Gruppe „Fauth Gentlemen“ ziehen schon während ihrer Aufwärmübungen im Foyer sämtliche Blicke auf sich. Als sie dann auf der Bühne in ihren schwarzen Anzughosen, ihren weißen Hemden und mintgrünen Westen zu tanzen beginnen, steht auch der letzten Dame der Mund offen. Der Auftritt erinnert an die erotischen Tanzeinlagen aus dem Film „Magic Mike“ und in den Gesichtern der neun Männer zwischen 18 und 33 Jahren sieht man: allesamt sind mindestens so selbstbewusst wie der Stripper aus dem Hollywoodstreifen. Das Fazit einer Dame, die als Muschel verkleidet ist: „Also DIE müssen auf jeden Fall wiederkommen.“ Und das, obwohl sich keiner der Tänzer ausgezogen hat.

Foto: KG Spass am Karneval

Sehr zum Leidwesen von Lieselotte Lotterlappen. Die Komikerin, die eigentlich Joachim Jung heißt, scheint heute auf alles und jeden scharf zu sein. Zumindest vermittelt sie das dem Overather Publikum. Besonders einer der Elferräte leidet heute unter der Kunst ihrer Improvisations-Comedy – wird bis zum Ende ihres Auftritts immer wieder aufs Korn genommen.

Nachdem die Mädels der Band „Pläsier“ bewiesen haben, dass es viel mehr Frauen in kölschen Musikgruppen geben sollte, versorgen die „Veedelsjunge“ die Overather Damen eine halbe Stunde lang mit gecoverten Karnevalshits. Nach ihrem Auftritt lassen es sich Dirk Sauer und Stefan Schumacher nicht nehmen, Gereon Kohlgrüber zu seinem Abschied auch noch ein Präsent zu überreichen: Ein Kunstwerk, das sowohl ihre als auch das Konterfei des Sitzungspräsidenten zeigt.

Danach sind die „Dancing Daddys” dran – eine Tanzgruppe in Arbeitsklamotten, die besonders auf Hebefiguren setzt. Und obwohl die tanzenden Väter den Damen doch tatsächlich noch das lang ersehnte Strippprogramm bieten, wirken die Männer eher putzig und bodenständig, als heiß und elektrisierend.

Foto: KG Spass am Karneval

Für dieses Gefühl könnte zumindest bei einigen Damen noch Dominik Schönenborn von der Band „Cat Ballou“ gesorgt haben. Leidenschaftlicher Körpereinsatz scheint dem Musiker überhaupt nicht peinlich zu sein – immer wieder lässt er seine Hüften lasziv zu Hits wie „Immer immer widder“ kreisen - beobachtet zufrieden, wie die Frauen auf ihn reagieren. Sie drängen sich an den Rand der Bühne, machen Fotos und schreien laut, wenn ihnen der Keyboarder neckisch zuzwinkert.

Foto: Manfred Höfer

Die klopfenden Herzen können sich dann zu den Tönen von „Unser Stammbaum“ wieder beruhigen. Wie zum Ende jeder Sitzung der „KG Spass am Karneval“, schunkeln die jecken Damen, Vereinsmitglieder und ehrenamtlichen Helfer noch ein paar Minuten Arm in Arm zu dem Song der „Bläck Fööss“, lassen die letzten Stunden nochmal Revue passieren und werden vielleicht sogar ein bisschen wehmütig, bis sie entweder im Foyer noch einen Absacker trinken oder langsam in die kalte Januarnacht hinausziehen.